A. head

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1. einleitung

precondition: Im Seminar “Digitale Dramenanalyse” des SS2022 (Frank Fischer, FUB) war den Teilnehmer:innen freigestellt, sich während des Semesters einem Stück aus der DraCor Einakterdatenbank (Çakir and Fischer 2022) & (DraCor and Klemm 2022) zu widmen. Das sollte den Prozess umfassen der Transkription und der Auszeichnung nach TEI Standard. Es wurden 9 Stücke selbst gewählt und, teilweise im Team, daran gearbeitet. Über den Zwischenstand wurden Referate zu Stück und Autor sowie evtl. schon während des Seminars kennengelernter Analysen vorgestellt. Ich habe Christian Gottlieb Klemms “Der Besuch” ausgesucht, bin bei der Auswahl aber nur nach Sprache Deutsch und einem allein zu bewältigenden Umfang gegangen. Ich werde in dieser Arbeit kurz dokumentieren, wie die Aufgaben umgesetzt wurden, welche Methoden dabei zum Einsatz kamen und einen Ausblick auf literaturwissenschaftliche Analysen geben, die mit den gelernten Verfahren möglich sind.

2. klemm

2.1 biographie

Klemm wurde 1736 in Schwarzenberg/Erzgebirge geboren und lebte bis 1802 in Leipzig, Jena, Frankfurt, ab 1759 in Wien. Dort wurde er Herausgeber verschiedener Wochenblätter (Die Welt, Der österreichische Patriot, Beyträge zum deutschen Theater, Wiener Allerlei) in denen neben theaterkritischen und -theoretischen Beiträgen teilweise auch seine Stücke erschienen (Killy 2009).

2.2 stück

“Der Besuch” ist ein Bühnenstück mit fünf Hauptpersonen (Celimene, Chlorinde, Cydalise, Erast, Damis) und einer Nebenfigur (Finette) sowie einer weiteren Randfigur (Ein Bedienter). Das Stück ist 1765 in der von Klemm herausgegebenen Wochenzeitschrift “Der Österreichische Patriot” zuerst, 1767 in den “Beyträgen zum deutschen Theater” ein weiteres Mal erschienen. Es ist in 9 Szenen unterteilt, zählt um 3.400 Wörter.

2.3 verortung

Klemms Stück fällt in eine Zeit der Reformierung der Wiener Theaterlandschaft. Er selbst stand mit seiner Position (für die Posse, den Hanswurst, die Burlesque) den Bestrebungen der Schaubühnen zu ernsthaftem, gesitteten Theater entgegen, die von den damaligen Direktoren v. Wewen, v. Bender unter Generaldirektor v. Spork, auch mit groszer Zustimmung seitens der Schauspieler vollzogen wurden. In diesem Zusammenhang fällt hier immer wieder der Begriff „extemporieren“, der eine Art des Lustspiels, die “extemporierte Comödie” benennt, die nach den Autoren zu überwinden war (cf. Meyer (1909)). Der Besuch läszt sich darum vielleicht als zur Entstehungszeit anachronistisches Stück einordnen, das nicht mehr den Nerv des Wiener (sic!) Publikums traf, die ernsthaften Stücke waren besser besucht. (cf. Müller (1772) p.13(37)). Der meinungsführende Regimentsrat v. Sonnenfels hätte hier in (seinem) Wochenblatt Der Mann ohne Vorurtheil (cf. Sonnenfels (1783)) die moderneren Ansichten vertreten; ein Umstand, der möglicherweise die fehlende Aufmerksamkeit für (auch Klemms weitere Stücke) erklärt.

3. dokumentation aufbereitung

3.1. transkription

Als Textgrundlage des im folgenden Rohtext genannten Materials dienten die von google books öffentlich zur Verfügung gestellten scans der Erstausgabe von 1765 (A1765_Q) (google and Klemm 1765), die grösztenteils auf den in der Österreichischen Nationalbibliothek schon vorhandenen Digitalisierungen (ÖNB and Klemm 1765) basieren. Diese wurden auf wikisource und hiermit auf einer Plattform zur kollaborativen Erstellung von u.a. Transkriptionen (vom Seminarleiter) weiterhin zugänglich gemacht und durchliefen nun den Prozess von Transkription und zweifacher unabhängiger Korrektur (wikisource and Klemm 1765). Basis der Transkription war im ersten Stadium eine zu 90% verläszliche OCR (optical character recognition) mittels TRANSKRIBUS (read-coop 2022). Benutzt wurde das frei verfügbare OCR-model “ONB_Newseye_GT_M1+”, das zufriedenstellende Ergebnisse lieferte - allerdings nur mit der Ausgabe von 1767 (A1767_Q), die ich als scan in der Digitalen Sammlung der Münchner Staatsbibliothek (MDZ and Klemm 1767) gefunden hatte. Da sich diese, wie ich bald feststellte, doch in einigen Punkten von der Erstausgabe unterschied, wurde der Rohtext auf Wikisource also :nur unter Zuhilfenahme: dieser OCR-Fassung erstellt, d.h. im Einzelnen:

  1. OCR (A1767_Q)
    1. Korrektur desselben in TRANSKRIBUS
    2. Resultat Rohtext (A1767_R)
  2. Abgleich A1767_R mit A1765_Q in der Bearbeitungsmaske von Wikisource
    1. Korrektur bzw. Anpassung des auf diese Weise erstellten Rohtext der Erstausgabe (A1765_R)
    2. upload des Rohtextes
  3. zwei Korrekturdurchgänge
    1. die von weiteren Personen auf Wikisource durchgeführt wurden
    2. dabei wurde A1765_R bereits mit Szenenüberschriften und Sprechermarkierungen versehen

3.2 TEI-auszeichnung

Der grosze Teil der weiteren Arbeit bestand in der ersten vereinfachten Auszeichnung nach TEI-Standard. Ich habe hierzu ein umfassendes script (esteeschwarz 2022b) in der Programmiersprache R (RStudio and PBC 2022) entworfen, das in A1765_R mittels der Suche mit regulären Ausdrücken (z.B. (regexr 2022)) Szenenwechsel, Sprecherbezeichnungen und Regieanweisungen nach einigem Aufwand zu finden vermochte1 um diese schlieszlich in HTML-tags zu :verpacken: d.h. die einzelnen verschiedenen Elemente des Textes nach einem Standard zu markieren, der uns vorlag und bereits als Schema zur Validierung im Editor verwendet werden konnte (drama and DraCor 2022). Es handelte sich dabei noch nicht um die finale, schemagerechte Version. Diese wurde weiterhin vor der Integration des Stückes in das dracor-Korpus (Fischer et al. 2019) vom Seminarleiter auf Grundlage der vereinfachten Version erstellt.

3.2.1.beispiel der auszeichnung:

library(rvest)
library(stringi)
src<-"https://de.wikisource.org/wiki/Der_Besuch_(Klemm)"
dta1<-read_html(src)
xpathkl<-'//*[@id="mw-content-text"]/div[1]/div[2]'
#xpath copied from browser developer tools (safari)
#html_nodes(dta1,xpath = xpathkl)
txt<-html_nodes(dta1,xpath = xpathkl) %>%html_text()

 # txt<-ground(txt)
  repl1<-'<div type="scene"><head>\\1 \\2</head><stage>'
  regx1<-"(Erster|Zweyter|Dritter|Vierter|Fünfter|Sechster|Siebenter|Achter|Neunter) (Auftritt.)"
  #stri_extract_all_regex(txtm,regx3)
  m<-gregexec(regx1,txt,perl = T)
  #regmatches(txt,m)
 txtm1<-gsub(regx1,repl1,txt,perl = T)
  #wks.
 cat(stri_sub(txtm1,1,500),"[...]")
## 
## [Ξ] Der österreichische Patriot.
## Drey und vier und siebenzigstes Stück.
## Freytags den 14. Junii. 1765.
## Der
## Besuch,
## Ein Lustspiel
## in einem Aufzuge.
## 
## Personen.
## Celimene, Finette, Erast, Chlorinde, Cydalise, Damis.
## 
## <div type="scene"><head>Erster Auftritt.</head><stage>
## Celimene, Finette.
## Celimene.
## Siehst du nun, wie behutsam man mit den Mannspersonen
## umgehen muß? Wie lange man sie für
## rechtschaffen, für zärtlich, für beständig halten
## kann? und auf einmal ist der Verräther da. Alle
## sind Verräther,  [...]

3.2.2 finales TEI

Ziel der Bearbeitung war, das Stück auf DraCor für weitere Analysen in standardisierten Formaten (TEI, RDF, JSON sowie TXT und GRAPHML/GEFX Netzwerkdaten) zur Verfügung stellen zu können. Hierzu war es nötig, zuerst die Textgrundlage und erste Auszeichnung herzustellen. Mit Verfügbarkeit des Dramas im schemagerechten TEI Austauschformat, das im Bereich der digital humanities oder der Wissenschaft seit Jahren als Standard etabliert ist (TEI 1987), wenn es um die Bereitstellung/ Katalogisierung, Archivierung bzw. eben den Austausch von Daten oder Metadaten geht, können nun weitreichende Analysen, vergleichende Studien und weiteres angestellt werden. Ich werde im Folgenden einen kleinen Ausschnitt dessen vorstellen, was möglich, aber in jedem Fall erweiterbar ist.

4. some visualisations

4.1 basic statistics

## load TEI from: https://dracor.org/api/corpora/ger/play/klemm-der-besuch/tei

R-package for analysis cf. (Reiter, Pagel, and Badger 2020)

4.2 further…

## Wir beschränken uns auf die hier versuchte Vorstellung der Möglichkeiten.

4.3 network

Q: networks graph cf. (Poggel 2022), (Franceschet 2022)

4.4 sources comparison

(LERA)

@meta: Christian Gottlob Klemm.
@meta: Christian Gottlob Klemm.
Der Besuch. ausgabe (17651).
Der Besuch. ausgabe (17671).
@begin
@begin
Erster Auftritt.
Erster Auftritt.
Celimene, Finette.
Celimene, Finette.
Celimene.
Celimene.
Siehst du nun, wie behutsam man mit den Mannspersonen umgehen muß?
Siehst du nun, wie behutsam man mit den Mannspersonen umgehen muß?
Wie lange man sie für rechtschaffen, für zärtlich, für beständig halten kann?
wie lange man sie für rechtschaffen, für zärtlich, für beständig halten kann?
und auf einmal ist der Verräther da.
und auf einmal ist der Verräther da.
Alle sind Verräther, alle Mannspersonen.
Alle sind Verräther, alle Mannspersonen.
Wie sehr danke ich dem Himmel, daß ich Erasten nunmehro meine Hand nicht schon vor einem Vierteljahre gegeben habe.
Wie sehr danke ich dem Himmel, daß ich Erasten nunmehro meine Hand nicht schon vor einem Vierteljahre gegeben habe.
Itzt wäre ich wieder so elend, so unglücklich, wie in meiner ersten Ehe.
Itzt wäre ich wieder so elend, so unglücklich, wie in meiner ersten Ehe.
Und ich habe es noch nicht einmal meiner Klugheit zu danken, ein Zufall hat seine Gemüthsart aufgedecket.
Und ich habe es noch nicht einmal meiner Klugheit zu danken; ein Zufall hat seine Gemüthsart aufgedecket.
Du hast Wunder gedacht, wie gut du Erasten kennst.
Du hast Wunder gedacht, wie gut du Erasten kennst.
Nicht wahr, du hast dich betrogen?
Nicht wahr, du hast dich betrogen?
Finette.
Finette.
Ich gestehe es ihr Gnaden, ich hätte Häuser auf den Erast bauen wollen.
Ich gestehe es, ihr Gnaden, ich hätte Häuser auf den Erast bauen wollen.
Er war immer so sanftmüthig wie ein Lamm, er hat sich ja gewunden, gedreht.
Er war immer so sanftmüthig wie ein Lamm, er hat sich ja gewunden, gedreht.
Auf diese Art sind freylich die Mannsbilder1 keinen Kreutzer werth.
Auf diese Art sind freylich die Mannspersonen1 keinen Kreutzer werth.
Der Erast, das fromme Lämmel1.
Der Erast, das fromme Lämmchen1.
Celimene.
Celimene.
Und der reissende1 Tyrann im Herzen.
Und der reißende1 Tyrann im Herzen.
Ich weiß es aus der Erfahrung.
Ich weiß es aus der Erfahrung.
Wie kroch mein verstorbener Mann vor meinen Füßen herum, da er mich zu seiner Gemahlin1 begehrte.
Wie kroch mein verstorbener Mann vor meinen Füßen herum, da er mich zu seiner Gemahlinn1 begehrte.
Er war verliebt, ich weiß es gewiß; Aber wie lange1 blieb er es?
Er war verliebt, ich weiß es gewiß; aber wie lang1 blieb er es?
Gerade neun Wochen nach der Hochzeit; da war Celimene vergessen, er war mit dem größten Widerwillen in meiner Gesellschaft, und, und ach!
Gerade neun Wochen nach der Hochzeit, da war Celimene vergessen, er war mit dem größten Widerwillen in meiner Gesellschaft und, und ach!
du weißt es nur mehr als zu wohl, jedes Kuchelmensch1 war ihm lieber als seine zärtliche Gemahlin2.
du weißt es nur mehr als zu wohl, jedes Küchenmensch1 war ihm lieber als seine zärtliche Gemahlinn2.
Finette.
Finette.
Nun der ist tod1, ihr Gnaden.
Nun, der ist todt1, ihr Gnaden.
Und das ist schon recht.
Und das ist schon recht.
Ich weiß es vollkommen, er verdiente ihr1 Gnaden im geringsten nicht.
Ich weiß es vollkommen, er verdiente ihre1 Gnaden im geringsten nicht.
Aber wenn nun das Heyrathen1 so eine gefährliche Sache ist, warum wollen sie2 sich ihr Gnaden gleichwohl wieder verheyrathen3?
Aber wenn nun das Heurathen1 so eine gefährliche Sache ist, warum wollen sich ihr Gnaden gleichwohl wieder verheurathen3?
Celimene.
Celimene.
Mädel, du wirst nasenweis.

[absent]

[absent]
Warum?
Ich bin noch jung, die Wittwen sind verachtet, ich lebe gerne1 ungezwungen.
Ich bin noch jung, die Wittwen sind verachtet, ich lebe gern1 ungezwungen.
Da hast du Ursachen genug; und kurz, weil ich mich das erstemal schlecht verheyrathet1 habe, so will ich mich das zweytemal desto besser verheyrathen2.
Da hast du Ursachen genug; und kurz, weil ich mich das erstemal schlecht verheurathet1 habe, so will ich mich das zweytemal desto besser verheurathen2.
Sollte denn gar kein würdiger Mann mehr in der Welt seyn, mit dem man glücklich seyn könnte?
Sollte denn gar kein würdiger Mann mehr in der Welt seyn, mit dem man glücklich seyn könnte?
Finette.
Finette.
Ich weiß nicht, ihr Gnaden, ich habe auch schon drey Amanten gehabt, und die sind alle drey zum Schelm1 geworden.
Ich weiß nicht, ihr Gnaden, ich habe auch schon drey Amanten gehabt, und die sind alle drey zu Schelmen1 geworden.
Ihr Gnaden sehn, daß ich noch immer ledig bin, und man wird doch auch alle Tage älter.
Ihr Gnaden sehn, daß ich noch immer ledig bin, und man wird doch auch alle Tage älter.
Celimene.
Celimene.
Der Erast, den ich für einen so zärtlichen Jüngling gehalten habe, der hängt sich an eine Cydalise, die weder Verstand, noch Schönheit, noch sonderlichen Reichthum hat?
Der Erast, den ich für einen so zärtlichen Jüngling gehalten habe, der hängt sich an eine Cydalise, die weder Verstand, noch Schönheit, noch sonderlichen Reichthum hat.
Ach wie sehr verabscheue ich ihn, und alle Männer.
Ach wie sehr verabscheue ich ihn, und alle Männer.
Finette.
Finette.
Es kann aber seyn, daß er noch nicht so strafbar ist, als es die Leute Euer Gnaden weiß machen wollen.
Es kann aber seyn, daß er noch nicht so strafbar ist, als es die Leute euer Gnaden weiß machen wollen.
Celimene.
Celimene.
Die Leute haben recht.
Die Leute haben Recht.
Das allgemeine Gerücht trügt niemals.
Das allgemeine Gerücht trügt niemals.
Man spricht ja schon von einer Vermählung unter ihnen.
Man spricht ja schon von einer Vermählung unter ihnen.
Finette.
Finette.
Das glaube ich in meinem Leben nicht.
Das glaube ich in meinem Leben nicht.
Celimene.
Celimene.
Nun die Sache wird sich heute zeigen.
Nun die Sache wird sich heute zeigen.
Cydalise hat mir versprechen lassen, daß sie heute1 gewiß kömmt.
Cydalise hat mir versprechen lassen, daß sie gewiß kömmt; Erast auch2.
Erast auch.

[absent]
Beyde wissen nichts von einander.
Beyde wissen nichts von einander.
Beyde denken Wunder, was ich für Heimlichkeiten mit ihnen auszumachen habe.
Beyde denken Wunder was ich für Heimlichkeiten mit ihnen auszumachen habe.
Sie werden sich sehn, und da wird es sich gleich zeigen, ob die Leute Recht oder Unrecht gehabt haben.
Sie werden sich sehn, und da wird es sich gleich zeigen, ob die Leute Recht oder Unrecht gehabt haben.
Finette.
Finette.
Den Auftritt wäre ich selber neugierig zu sehen.
Den Auftritt wäre ich selber neugierig zu sehen.
Celimene.
Celimene.
Da soll sich der Betrüger schämen!
Da soll sich der Betrüger schämen!
Was für zärtliche Sachen hat er mir nicht immer vorgesagt, wie sehnlich hat er mich um mein Herz gebeten!
Was für zärtliche Sachen hat er mir nicht immer vorgesagt, wie sehnlich hat er mich nicht1 um mein Herz gebeten!
O ich mag nicht mehr dran denken.
O ich mag nicht mehr dran denken.
Weißt du auch, daß der Damis kömmt?
Weißt du auch, daß der Damis kömmt?
Finette.
Finette.
Der vorige Amant von der Cydalise?
Der vorige Amant von der Cydalise?
Celimene.
Celimene.
Ja, und der sich itzt alle ersinnliche Mühe giebt, mir zu gefallen.
Ja, und der sich itzt alle ersinnliche Mühe giebt, mir zu gefallen.
Chlorinde, die so lange schon heimlich für ihn seufzet, kömmt auch.
Chlorinde, die so lange schon heimlich für ihn seufzet, kömmt auch.
Finette.
Finette.
Und keines weiß etwas von dem andern?
Und keines weiß etwas von dem andern?
Celimene.
Celimene.
Nein.
Nein.
Finette.
Finette.
Nun das wird eine lustige Unterhaltung seyn.
Nun das wird eine lustige Unterhaltung seyn.
Aber was haben denn ihr Gnaden für Absichten bey diesen letzteren1?
Aber was haben denn ihr Gnaden für Absichten bey diesem letztern1?
Celimene.
Celimene.
Ich will mich an ihrer Bestürzung, an ihrer Verlegenheit weiden, kurz, ich will mich rächen, triumphiren, und ihnen zeigen, daß ich sie alle verachte.
Ich will mich an ihrer Bestürzung, an ihrer Verlegenheit weiden, kurz, ich will mich rächen, ich will1 triumphiren, und ihnen zeigen, daß ich sie alle verachte.
Finette.
Finette.
Ich höre ein Getöß.
Ich höre ein Getöß.
Das wird schon jemand von der Gesellschaft seyn.
Das wird schon jemand von der Gesellschaft seyn.
Celimene.
Celimene.
Nun so geh, ich werde dir schon läuten, wenn ich dich brauche.
Nun so geh, ich werde dir schon läuten, wenn ich dich brauche.
Zweyter Auftritt.
Zweyter Auftritt.
Chlorinde und Celimene.
Chlorinde und Celimene.
Celimene.
Celimene.
Willkommen meine liebe1 Fräulein, ha2 das ist recht brav, daß sie mir die Ehre erweisen -.
Willkommen, mein liebes1 Fräulein, das ist recht brav, daß sie mir die Ehre erweisen -.
Chlorinde.
Chlorinde.
Ihre Dienerin1, gnädige Frau.
Ihre Dienerinn1, gnädige Frau.

[absent]
Das ist ja wieder ein elendes Wetter.
Das ist ja wieder ein elendes Wetter1, es ist als wenn wir diesen Sommer gar keinen schönen Tag zu sehn2 kriegen könnten.
Es ist, als wenn wir diesen Sommer gar keinen schönen Tag zu sehen2 kriegen könnten.
Celimene.
Celimene.
Ja, es ist immer schlechtes Wetter.
Ja, es ist immer schlechtes Wetter.
Nun so lassen sie sich nieder.
Nun, so lassen sie sich nieder.
Wie leben sie denn immer?
Wie leben sie denn immer?
Chlorinde.
Chlorinde.
Es gieng1 ja noch so mit, wenn nur das Wetter und die Dienstbothen etwas nutz wären in Wien.
Es gienge1 ja noch so mit, wenn nur das Wetter und die Dienstbothen etwas nutz wären in Wien.
Ich glaube gar nicht, daß es noch einen guten Dienstboten1 in der Welt giebt.
Ich glaube gar nicht, daß es noch einen guten Dienstbothen1 in der Welt giebt.
Celimene.
Celimene.
Es ist wahr, sie sind rar.
Es ist wahr, sie sind rar.
Haben sie Cydalisen lange nicht gesehn?
Haben sie Cydalisen lange nicht gesehn?
Chlorinde.
Chlorinde.

[absent]
O die lächerliche Kreatur!
O die lächerliche Creatur1; die allein in der Welt schön seyn will, die sich stellt beständig krank zu seyn, damit man glauben soll, sie würde noch zehnmal schöner seyn, wenn sie gesund wäre.
die allein in der Welt schön seyn will, die sich stellt beständig krank zu seyn, damit man glauben soll, sie würde noch zehnmal schöner seyn, wenn sie gesund wäre?
Das Mädel1 weiß sich vor lauter Hochmuth nicht zu lassen.
Das Mädchen1 weiß sich vor lauter Hochmuth nicht zu lassen.
Sie hat auch geglaubt, sie hat den Damis schon erwischt, die Närrin1 die!
Sie hat auch geglaubt, sie hat den Damis schon erwischt, die Närrinn1 die -.
Aber itzt trägt man sich mit einer Neuigkeit, meine Aufsetzerin2 hat mir heute ein paar Worte davon gesagt, allein -.
Aber itzt trägt man sich wohl1 mit einer Neuigkeit, meine Aufsetzerinn2 hat mir heute ein paar Worte davon gesagt, allein -.
Celimene.
Celimene.
Was ist das für eine Neuigkeit, meine liebe Chlorinde?
Was ist das für eine Neuigkeit, meine liebe Chlorinde?
Chlorinde.
Chlorinde.
Ich glaube es nicht.
Ich glaube es nicht.
Erast hat keinen so gar elenden Gusto1.
Erast hat keinen so gar elenden Geschmack1.
Celimene.
Celimene.
O die Liebe ist ein eigensinnig Ding, ich glaube sicher, daß Erast Cydalisen heyrathen1 wird.
O die Liebe ist ein eigensinnig Ding, ich glaube sicher, daß Erast Cydalisen heurathen1 wird.
Chlorinde.
Chlorinde.
Und das sagen sie so ruhig, gnädige Frau?
Und das sagen sie so ruhig, gnädige Frau?
Ich habe wohl gewußt, daß Erast die Hochachtung bey weitem nicht verdient, die ihm so viele erzeigt haben.
Ich habe wohl gewußt, daß Erast die Hochachtung bey weitem nicht verdient, die ihm so viele erzeigt haben.
Der Mensch muß nicht für einen Kreutzer Verstand haben.
Der Mensch muß nicht für einen Kreutzer Verstand haben.
Es ist ein elender, dummer -.
Es ist ein elender, dummer -.
An die Cydalise -.
An die Cydalise -.
Celimene.
Celimene.
Sie ereifern sich.
Sie ereifern sich.
Sollte sich denn Erast so wenig zu Cydalisen schicken?
Sollte sich denn Erast so wenig zu Cydalisen schicken?
Hätte es denn Damis besser mit ihr getroffen?
Hätte es denn Damis besser mit ihr getroffen?
Chlorinde.
Chlorinde.
Damis ist ein affectirter Narr, er hat die Cydalise niemals geliebt.
Damis ist ein affectirter Narr, er hat die Cydalise niemals geliebt.
Glauben sie das nicht.
Glauben sie das nicht.
Da muß ein ander1 Frauenzimmer kommen, das diesen Flüchtling einmal fest machen soll.
Da muß ein anders1 Frauenzimmer kommen, das diesen Flüchtling einmal fest machen soll.
Celimene.
Celimene.
Kömmt Zeit, kömmt Rath.
Kömmt Zeit, kömmt Rath.

[absent]
Was halten sie davon?
Was halten sie davon1, ich habe mir vorgenommen, den Damis beständig zu machen.
Ich habe mir vorgenommen, den Damis beständig zu machen.
Er ist itzt nicht von meiner Seiten1 zu bringen, und er ist gleichwohl ein Mensch, aus dem noch etwas zu machen wäre.
Er ist itzt nicht von meiner Seite1 zu bringen; und er ist gleichwohl ein Mensch, aus dem noch etwas zu machen wäre.
Chlorinde.
Chlorinde.
Ja, sie haben bereits die Probe davon abgeleget.
Ja, sie haben bereits die Probe davon abgeleget.
Erast ist ein beständiger Liebhaber.
Erast ist ein beständiger Liebhaber.
Celimene.
Celimene.
Nun wir wollen es versuchen.
Nun wir wollen es versuchen.
Vielleicht wird Damis meiner Zärtlichkeit dereinst noch würdig.
Vielleicht wird Damis meiner Zärtlichkeit dereinst noch würdig.
Ich wundere mich über sie, Fräulein Chlorinde.
Ich wundere mich über sie, Fräulein Chlorinde.
Sie sind aber recht glücklich dabey, kein einzig Mannsbild1 hat noch Eindruck auf sie gemacht.
Sie sind aber recht glücklich dabey, keine einzige Mannsperson1 hat noch Eindruck auf sie gemacht.
Chlorinde.
Chlorinde.
Ich fange nicht so leicht Feuer.
Ich fange nicht so leicht Feuer.
Celimene.
Celimene.
Ich habe vor einiger Zeit einmal geglaubt, der Damis hätte ihnen ein wenig gefallen, aber ich sehe wohl, daß ich mich geirret habe.
Ich habe vor einiger Zeit einmal geglaubt, der Damis hätte ihnen ein wenig gefallen, aber ich sehe nun1 wohl, daß ich mich geirret habe.
Und ich hätte doch gedacht -.
Und ich hätte doch gedacht -.
Lassen wir es gut seyn, man mag nun sagen was man will, Damis ist doch immer ein belebter und artiger Mensch.
Lassen wir es gut seyn, man mag nun sagen, was man will, Damis ist doch immer ein belebter und artiger Mensch.
Chlorinde.
Chlorinde.
Diese Lobrede hatte ich nicht vermuthet.
Diese Lobrede hatte ich nicht vermuthet.
Allein so belebt er auch in ihren Augen seyn mag, so ist er doch ein gefährlicher Mensch, ein Freygeist, für den1 sich jedes Frauenzimmer in Acht nehmen sollte, die ihre2 Ehre lieb hat.
Allein so belebt er auch in ihren Augen seyn mag, so ist er doch ein gefährlicher Mensch, ein Freygeist, vor dem1 sich jedes Frauenzimmer in Acht nehmen sollte, das seine2 Ehre lieb hat.
Wer kömmt denn da?
Wer kömmt denn da?
Gott vergieb mir meine Sünde, das ist ja Cydalise.
Gott vergieb mir meine Sünde, das ist ja Cydalise.
Dritter Auftritt.
Dritter Auftritt.
Chlorinde, Celimene, Cydalise.
Chlorinde, Celimene, Cydalise.
Celimene.
Celimene.
Seyn sie tausendmal willkommen, mein lieber Schatz.
Seyn sie tausendmal willkommen, mein lieber Schatz.
Chlorinde.
Chlorinde.
O meine englische Cydalise, lassen sie sich ein Bussel geben1, recht lange habe ich sie nicht gesehn.
O meine englische Cydalise, lassen sie mich sie in meine Arme schließen1; recht lange habe ich sie nicht gesehn.
Sie sind doch immer noch meine liebwertheste Freundin1?
Sie sind doch immer noch meine liebwertheste Freundinn1?
Cydalise.
Cydalise.
Auf ihren Befehl, gnädige Frau, habe ich mir die Freyheit genommen, und ich treffe so unvermuthet meine liebe Chlorinde an?
Auf ihren Befehl, gnädige Frau, habe ich mir die Freyheit genommen - und ich treffe so unvermuthet meine liebe Chlorinde an?
Ich dachte, Frau von Celimene, sie -.
Ich dachte, Frau von Celimene, sie -.
Ja, in der That, meine liebe Chlorinde, ich weis1 mich es bald nicht mehr zu erinnern, wenn wir uns das letztemahl2 gesehn haben.
Ja, in der That, meine liebe Chlorinde, ich weiß1 mich es bald nicht mehr zu erinnern, wenn wir uns das letztemal2 gesehn haben.
Nicht wahr, ich sehe recht elend aus?
Nicht wahr, ich sehe recht elend aus?
Ich kann nicht sagen, daß ich nur einmal eine rechte gesunde Stunde hätte.
Ich kann nicht sagen, daß ich nur einmal eine rechte gesunde Stunde häͤtte.
Celimene.
Celimene.
Sie blühen ja, wie eine Rose, meine liebe Cydalise.
Sie blühen ja, wie eine Rose, meine liebe Cydalise.
Cydalise.
Cydalise.
Ach sie foppen mich1 wieder.
Ach sie scherzen1 wieder.
Ich bin ja blaß wie der Tod.
Ich bin ja blaß wie der Tod.
Meiner Treu, ich muß doch in einem recht unglücklichen Zeichen gebohren seyn, daß ich niemals vollkommen gesund seyn kann.
Meiner Treu, ich muß doch in einem recht unglücklichen Zeichen gebohren seyn, daß ich niemals vollkommen gesund seyn kann.
Chlorinde.
Chlorinde.
Sie werden es schon werden, wenn die Nachrichten richtig sind, mit denen man sich herum trägt.
Sie werden es schon werden, wenn die Nachrichten richtig sind, mit denen man sich herum trägt.
Cydalise.
Cydalise.
Ich mag niemanden Abbruch thun.
Ich mag niemanden Abbruch thun.
Den Damis habe ich niemals leiden können, und Erast ist schon versehn.
Den Damis habe ich niemals leiden können, und Erast ist schon versehn.
Ich mag weder einen gar zu flüchtigen, noch einen gar zu ernsthaften Menschen.
Ich mag weder einen gar zu flüchtigen, noch einen gar zu ernsthaften Menschen.
Und überhaupt preßirt1 das Heyrathen2 so sehr nicht bey mir.
Und überhaupt pressirt1 das Heurathen2 so sehr nicht bey mir.
Ich habe es schon gesagt, ich mag niemanden betrüben.
Ich habe es schon gesagt, ich mag niemanden betrüben.
Celimene.
Celimene.
Sie sind sehr großmüthig, meine liebe Cydalise.
Sie sind sehr großmüthig, meine liebe Cydalise.
Aber fürchten sie sich dafür1 nicht.
Aber fürchten sie sich davor1 nicht.
Heyrathen1 sie ruhig, andere sind eben so großmüthig als sie.
Heurathen1 sie ruhig, andere sind eben so großmüthig als sie.
Chlorinde.
Chlorinde.
Ich versichere sie, daß ich es auch bin.
Ich versichere sie, daß ich es auch bin.
Nur dauret mich der arme Damis, daß er das Glück nicht hat haben können, ihnen zu gefallen, meine liebe Cydalise.
Nur dauret mich der arme Damis, daß er das Glück nicht hat haben können, ihnen zu gefallen, meine liebe Cydalise.
Cydalise.
Cydalise.
Wenn er nur andern gefällt, und das scheint mir, so ist er eben nicht sonderlich zu beklagen.
Wenn er nur andern gefällt, Und das scheint mir, so ist er eben nicht sonderlich zu beklagen.
Chlorinde.
Chlorinde.

[absent]
Meynen sie so?
Meinen sie so?

[absent]
Cydalise.
Cydalise.
Ich weiß so nicht, warum er sich an eine so heßliche1 und kränkliche Person hat wenden wollen, wie ich bin, da es doch so viele schöne, reizende und gesunde Frauenzimmer giebt.
Ich weiß so nicht, warum er sich an eine so häßliche1 und kränkliche Person hat wenden wollen, wie ich bin, da es doch so viele schöne, reizende und gesunde Frauenzimmer giebt.
Chlorinde.
Chlorinde.
Sie haben Recht.
Sie haben Recht.
Cydalise.
Cydalise.

[absent]
So?
So habe ich Recht?
so habe ich recht?
Ich weiß aber doch daß es noch schlechtere Gesichter giebt, als meines ist.
Ich weiß aber doch, daß es noch schlechtere Gesichter giebt, als meines ist.
Wir könen1 nicht alle so schön seyn, wie Fräulein Chlorinde.
Wir können1 nicht alle so schön seyn, wie Fräulein Chlorinde.
Celimene.
Celimene.
Ich bitte, ich bitte, meine Fräulein.
Ich bitte, ich bitte, meine Fräulein.
Lassen sie sich Gerechtigkeit wiederfahren, jedes Frauenzimmer findet ihren1 Liebhaber, dem sie2 gefällt.
Lassen sie sich Gerechtigkeit wiederfahren, jedes Frauenzimmer findet seinen1 Liebhaber, dem es2 gefällt.
Chlorinde.
Chlorinde.
Und der sie1 wieder verläßt.
Und der es1 wieder verläßt.
Ich habe mich noch nicht entschließen können, auf Eroberungen auszugehn.
Ich habe mich noch nicht entschließen können, auf Eroberungen auszugehn.
Celimene.
Celimene.
Es kömmt ja nur darauf an, daß man eine ruhige Miene annimmt, so sehr man auch im Herzen glüht, so ungefähr wie die Prüden.
Es kömmt ja nur darauf an, daß man eine ruhige Miene annimmt, so sehr man auch im Herzen glüht, so ungefähr wie die Prüden.
Doch, lassen sie uns von etwas andern1 reden.
Doch, lassen sie uns von etwas anderm1 reden.
Wissen sie auch, meine Fräulein, daß ich noch hoffe, ihnen heute zu dero bevorstehenden Heyrath1 Glück wünschen zu können?
Wissen sie auch, meine Fräulein, daß ich noch hoffe, ihnen heute zu dero bevorstehenden Heurath1 Glück wünschen zu können?
Cydalise.
Cydalise.

[absent]
Mir?

[absent]
Hm.
Mir?

[absent]
Hm.

[absent]
Chlorinde.
Chlorinde.
Das wäre gewiß sehr sonderbar.
Das wäre gewiß sehr sonderbar.
Cydalise spöttisch.
Cydalise spottisch.
Vielleicht muß man ihnen dazu Glück wünschen, gnädige Frau.
Vielleicht muß man ihnen dazu Glück wünschen, gnädige Frau.
Der Damis -.
Der Damis -.
Vierter Auftritt.
Vierter Auftritt.
Damis und die vorigen.
Damis und die Vorigen.
Damis.
Damis.
Ich habe meinen Namen nennen hören - Ha - Was1 -.
Ich habe meinen Namen nennen - hören - Ha -.
In der That -.
Was1 In der That -.
Celimene.
Celimene.
Willkommen Herr Damis!
Willkommen Herr Damis!
Was fehlt ihnen?
Was fehlt ihnen?
Damis.
Damis.
Nichts gnädige Frau.
Nichts gnädige Frau.
Unterthäniger Knecht.
Unterthäniger Knecht.
Fräulein Cydalise, ich bin -.
Fräulein Cydalise, ich bin -.
Auch sie Fräulein Chlorinde?
Auch sie Fräulein Chlorinde?
Cydalise.
Cydalise.
Das Vergnügen hätte ich nicht vermuthet, sie heute hier zu sehn, Herr Damis.
Das Vergnügen hätte ich nicht vermuthet, sie heute hier zu sehn, Herr Damis.
Chlorinde.
Chlorinde.
Ich gewiß auch nicht.
Ich gewiß auch nicht.
Damis.
Damis.
Und ich am allerwenigsten.
Und ich am allerwenigsten.
Cydalise.
Cydalise.
Sie haben ja recht gute Gesellschaft Frau von Celimene.
Sie haben ja recht gute Gesellschaft, Frau von Celimene.
In der That, man muß sie bey ihnen suchen.
In der That man muß sie bey ihnen suchen.
Celimene.
Celimene.
Ja, Herr Damis besucht mich von Zeit zu Zeit.
Ja, Herr Damis besucht mich von Zeit zu Zeit.
So nehmen sie doch Platz.
So nehmen sie doch Platz.
Kommen sie, setzen sie sich zu mir.
Kommen sie, setzen sie sich zu mir.
Chlorinde.
Chlorinde.
Ich will ihnen Platz machen, Damis, ich mache gerne Platz.
Ich will ihnen Platz machen, Damis, ich mache gerne Platz.
Celimene.
Celimene.
Ja, das sieht man an ihrem Gesichte.
Ja, das sieht man an ihrem Gesichte.
Aber wissen sie auch Damis, daß ich prophezeyht habe, die beyden Fräulein werden noch heute erfahren, wer ihr Gemahl werden soll?
Aber wissen sie auch Damis, daß ich prophezeyht habe, die beyden Fräulein werden noch heute erfahren, wer ihr Gemahl werden soll?
Damis.
Damis.
So?

[absent]

[absent]
So?
Cydalise.
Cydalise.

[absent]
Je nun, es kann bey mir vielleicht seyn.
Je nun, es kann bey mir vielleicht seyn1, Erast hat mir versprochen, mich heute noch zu besuchen.
Erast hat mir versprochen, mich heute noch zu besuchen.
Wenn mir auch Damis die Ehre nicht mehr erweißt1 -.
Wenn mir auch Damis die Ehre nicht mehr erweist1 -.
Damis.
Damis.
Ach, ich muß doch meine Sprache wieder finden.
Ach der Henker1, ich muß doch meine Sprache wieder finden.
Ich habe ihnen sonst fleißig aufgewartet, Fräulein Cydalise.
Ich habe ihnen sonst fleißig aufgewartet, Fräulein Cydalise.
Cydalise.
Cydalise.
Ich erinnere mich dessen noch ein wenig.
Ich erinnere mich dessen noch ein wenig.
Warum bin ich nicht so liebenswürdig, als gewisse andere Personen?
Warum bin ich nicht so liebenswürdig, als gewisse andere Personen?
Celimene.
Celimene.
Als gewisse andere Personen.
Als gewisse andere Personen.
Chlorinde.
Chlorinde.
Als gewisse andere Personen, vortreflich1.
Als gewisse andere Personen, vortrefflich1.
Damis.
Damis.
Alles gut. (zu Celim1.)
Alles gut. (zu Celimenen1.)
Aber gnädige Frau, ich kann mich noch nicht recht in die Sache schicken.
Aber gnädige Frau, ich kann mich noch nicht recht in die Sache schicken.
Doch ich bin frey, und rede frey.
Doch ich bin frey, und rede frey.
Ich habe ihnen schon meine Meinung1 gesagt.
Ich habe ihnen schon meine Meynung1 gesagt.
Ich verspreche nicht mehr als ich halten kann.
Ich verspreche nicht mehr als ich halten kann.
Ich liebe, so lange als meine Geliebte liebenswürdig bleibt, und ich höre auf zu lieben, so bald sie es nicht mehr ist.
Ich liebe, so lange als meine Geliebte liebenswürdig bleibt, und ich höre auf zu lieben, so bald sie es nicht mehr ist.
Was wollen wir uns mit einer Beständigkeit plagen, die jederman1 im Munde und keiner im Herzen hat?
Was wollen wir uns mit einer Beständigkeit plagen, die jedermann1 im Munde und keiner im Herzen hat?
Darf ich mir schmeicheln, gnädige Frau, daß ich ihnen unter diesen Bedingungen aufwarten darf?
Darf ich mir schmeicheln, gnädige Frau, daß ich ihnen unter diesen Bedingungen aufwarten darf?
Ich würde -.
Ich würde -.
Celimene.
Celimene.
Recht gut mein Herr.
Recht gut, mein Herr.
Ich bin billig, ich verlange von den Mannsbildern1 keine Unmöglichkeiten, nichts, was wider ihre Gemüthsart und über ihre Kräfte ist.
Ich bin billig, ich verlange von den Mannspersonen1 keine Unmöglichkeiten, nichts, was wider ihre Gemüthsart und über ihre Kräfte ist.
Die Beständigkeit!
Die Beständigkeit!
Wer hat dies Gespenst jemals gesehn?
Wer hat dies Gespenst jemals gesehn?
Die heftigste Liebe ist ein Platzregen, der nur eine sehr kurze Zeit dauert.
Die heftigste Liebe ist ein Platzregen, der nur eine sehr kurze Zeit dauert.
Chlorinde.
Chlorinde.
Man ist ohne Zweifel sehr glücklich bey ihrer Gemüthsart, gnädige Frau.
Man ist ohne Zweifel sehr glücklich bey ihrer Gemüthsart, gnädige Frau.
Celimene.
Celimene.
Ja, meine liebe1 Fräulein, man ist glücklicher, wenn man die Welt aus dem Umgange, als aus den Romanen kennet.
Ja, mein liebes1 Fräulein, man ist glücklicher, wenn man die Welt aus dem Umgange, als aus den Romanen kennet.
Man muß keine Unmöglichkeiten verlangen.
Man muß keine Unmöglichkeiten verlangen.
Ich schätze die Aufrichtigkeit in dem Damis.
Ich schätze die Aufrichtigkeit in dem Damis.
Damis.
Damis.
O lassen sie sich die Hand küssen1, gnädige Frau.
O lassen sie sich die Hand küßen1, gnädige Frau.
Ich verspreche ihnen eine ewige Zärtlichkeit.
Ich verspreche ihnen eine ewige Zärtlichkeit.
Cydalise.
Cydalise.
Ja, eine ewige Zärtlichkeit.
Ja, eine ewige Zärtlichkeit.
Chlorinde.
Chlorinde.
Eine ewige Zärtlichkeit.
Eine ewige Zärtlichkeit.
Die schöne Ewigkeit!
Die schöne Ewigkeit!

[absent]
Hm.
Hm.

[absent]
Celimene.
Celimene.
Sie vergessen sich, Damis.
Sie vergessen sich, Damis.
Wenn ich ihnen nämlich1 ewig gefalle.
Wenn ich ihnen nehmlich1 ewig gefalle.
Damis.
Damis.
Ja, so meyne ich es auch.
Ja, so meyne ich es auch.
O sie sind eine Frau von einem1 unendlichem Geiste.
O sie sind eine Frau von unendlichem Geiste.
Celimene.
Celimene.
Nun so verspreche ich ihnen denn auch, sie so lange zu lieben, als sie in meinen Augen Reizungen haben werden.
Nun so verspreche ich ihnen denn auch, sie so lange zu lieben, als sie in meinen Augen Reizungen haben werden.
Chlorinde.
Chlorinde.
Allerliebst, scharmant.
Allerliebst, scharmant.
Ih.

[absent]
Nun itzt -.
Nun itzt -.
Ich habe die Ehre mich zu empfehlen.
Ich habe die Ehre mich zu empfehlen.
Ich glaube, es fängt schon wieder an zu regnen.
Ich glaube, es fängt schon wieder an zu regnen.
Es fällt mir gerade ein -.
Es fällt mir gerade ein -.
Celimene.
Celimene.
O bleiben sie, ich bitte.
O bleiben sie, ich bitte.
Cydalise.
Cydalise.
Ich werde sie begleiten Chlorinde, ich bin nicht gerne beschwerlich.
Ich werde sie begleiten Chlorinde, ich bin nicht gerne beschwerlich.
Votre servante Monsieur.
Votre servante Monsieur.
Celimene.
Celimene.
Ich bitte.
Ich bitte.
Fünfter Auftritt.
Fünfter Auftritt.
Die vorigen und Erast.
Die Vorigen und Erast.
Erast.
Erast.
O Gott!
O Gott!
was sehe ich?
was sehe ich?
Ich - ha - habe -.
Ich -. ha -. habe ---.
Celimene.
Celimene.
Kommen sie Erast?
Kommen sie, Erast?
Nun das freut mich.
Nun -. das freut mich.
Cydalise.
Cydalise.
Ihre Dienerin1, Erast.
Ihre Dienerinn1, Erast.
Nun das ist brav.
Nun das ist brav.
Ich hätte nicht gedacht, daß wir uns hier finden sollten.
Ich hätte nicht gedacht, daß wir uns hier finden sollten.
Chlorinde.
Chlorinde.
Das ist doch curios1.
Das ist doch artig1.
Erast, ihre unterthänige Dienerin.

[absent]
Fräulein Cydalise, soll ich gratuliren?
Erast, ihre unterthänige Dienerinn1, Fräulein Cydalise, soll ich gratuliren?
Damis.
Damis.
Grüß dich der Himmel, Bruder.
Grüß dich der Himmel, Bruder.
Was Teufel, was fehlt dir?
Was Teufel, was fehlt dir?
Erast.
Erast.
Ich, ich möchte mir den Kopf entzwey schlagen, das ist - Ha! -.
Ich, ich möchte mir den Kopf entzwey schlagen, das ist - Ha! -.
Cydalise.
Cydalise.
Was ist das für ein Betragen, Erast?
Was ist das für ein Betragen, Erast?
Kommen sie, an meine Seite setzen sie sich.
Kommen sie, an meine Seite, setzen sie sich.
Recht unvermuthet.
Recht unvermuthet.
In Wahrheit.
In Wahrheit.
Nu warum setzen sie sich nicht?
Nu, warum setzen sie sich nicht?
Celimene.
Celimene.
O setzen sie sich, Erast.
O setzen sie sich, Erast.
Das ist sehr unhöflich.
Das ist sehr unhöflich.
Sehen sie denn Fräulein Cydalisen nicht?
Sehen sie denn Fräulein Cydalisen nicht?
Erast.
Erast.

[absent]
Gnädige Frau!
Gnädige Frau1, (ich möchte des Henkers werden.)
Ich möchte des Henkers werden.
Celimene nimmt ihn, und führt ihn zu Cydalisen.
Celimene nimmt ihn, und führt ihn zu Cydalisen.
So setzen sie sich doch!
So setzen sie sich doch; man erwartet sie1.
man erwartet sie.

[absent]
Sie haben ja sonst Lebensart gehabt.
Sie haben ja sonst Lebensart gehabt.
Erast in der größten Verwirrung, setzt sich.
Erast, in der größten Verwirrung setzt sich.
Fräulein Cydalise -.
Fräulein Cydalise -.
Damis.
Damis.
Was Teufel, was ist dir denn, Erast?
Was Teufel, was ist dir denn, Erast?
Erast.
Erast.
Das ist ein blutiger Streich, gnädige Frau.
Das ist ein blutiger Streich, gnädige Frau.
Celimene.
Celimene.
Warum?
Warum?
weil man ihr Vergnügen befördert?
weil man ihr Vergnügen befördert?
Ich habe mir deswegen1 ein recht verbindliches Compliment2 von ihnen versprochen.
Ich habe mir deßwegen1 ein recht verbindliches Kompliment2 von ihnen versprochen.
(Welcher Triumph für dein gekränktes Herz, Celimene!)
(Welcher Triumph für dein gekränktes Herz, Celimene!)
Sechster Auftritt.
Sechster Auftritt.
Ein Bedienter und die vorigen.
Ein Bedienter und die Vorigen.
Bediente zu Celimenen.
Bediente zu Celimenen.
Ihr1 Gnaden, es ist der Laquey2 von der Hofräthin3 da, und hat eine Post an ihr4 Gnaden.
Ihre1 Gnaden, es ist der Laquay2 von der Hofräthinn3 da, und hat eine Post an ihre4 Gnaden.
Celimene.
Celimene.
Ich bitte unterthänig, bleiben sie, meine lieben1 Fräulein, ich werde gleich wieder aufwarten.
Ich bitte unterthänig, bleiben sie, mein liebes1 Fräulein, ich werde gleich wieder aufwarten.
Siebenter Auftritt.
Siebenter Auftritt.
Cydalise, Damis, Chlorinde und Erast.
Cydalise, Damis, Chlorinde und Erast.
Chlorinde.
Chlorinde.
A propos, Herr Erast!
A propos, Herr Erast!
Herr Damis ist ein Bräutigam.
Herr Damis ist ein Bräutigam.
Erast.
Erast.
So?

[absent]

[absent]
So?
Chlorinde.
Chlorinde.
Ja, und zwar mit der Frau von Celimene.
Ja, und zwar mit der Frau von Celimene.
Erast.
Erast.

[absent]
Was?
Was?

[absent]
Chlorinde.
Chlorinde.
So kommen sie doch zu sich selber.
So kommen sie doch zu sich selber.
Erast.
Erast.
Ja.

[absent]

[absent]
Ja.
Cydalise.
Cydalise.
Erast ist heute recht liebenswürdig, in Wahrheit zum Küssen1.
Erast ist heute recht liebenswürdig, in Wahrheit zum Küßen1.
Was träumen sie denn ewig, hören sie doch Erast1?
Was träumen sie denn ewig?

[absent]
hören sie doch, Erast?
Erast.
Erast.
Ja doch, gnädige Frau.
Ja doch, gnädige Frau.
Cydalise.
Cydalise.
Recht allerliebst.
Recht allerliebst.
Gnädige Frau!
Gnädige Frau!
Wissen sie auch, daß ich nach Hause gehe?
wissen sie auch, daß ich nach Hause gehe?
Der Kopf thut mir schon wieder so weh, so weh -.
Der Kopf thut mir schon wieder so weh, so weh -.
Erast sie begleiten mich, kommen sie.
Erast, sie begleiten mich, kommen sie.
Erast.
Erast.
Ist es wahr, Damis?
Ist es wahr, Damis?
Geh, du bist ein Narr.
Geh, du bist ein Narr.
Damis.
Damis.
Hat sich wohl.
Hat sich wohl.
Als wenn ich nicht eben so gut heyrathen1 könnte als du.
Als wenn ich nicht eben so gut heurathen1 könnte, als du.
Die ewige Liebe fällt in den Brunnen.
Die ewige Liebe fällt in den Brunnen.
Cydalise.
Cydalise.
He, Erast!
He, Erast, erwachen sie1.
erwachen sie.

[absent]
So kommen sie doch, ich bleibe keinen Augenblick länger.
So kommen sie doch, ich bleibe keinen Augenblick länger.
Chlorinde.
Chlorinde.
Was das für eine Rolle ist, die man hier spielt.
Was das für eine Rolle ist, die man hier spielt.
Ich gehe mit ihnen, Cydalise.
Ich gehe mit ihnen, Cydalise.
Damis, sie lieben sehr vernünftig.
Damis, sie lieben sehr vernünftig.
Damis.
Damis.
Ich freue mich, wenn ich ihren Beyfall habe.
Ich freue mich, wenn ich ihren Beyfall habe.
Achter Auftritt.
Achter Auftritt.
Celimene und die vorigen.
Celimene und die Vorigen.
Celimene.
Celimene.
Ich bitte um Vergebung, meine Fräulein.
Ich bitte um Vergebung, meine Fräulein - Nun so lassen sie uns denn miteinander plaudern1.
Nun so lassen sie uns denn miteinander plaudern.

[absent]
Damis, sie sind ja sonst ein fruchtbarer Kopf.
Damis, sie sind ja sonst ein fruchtbarer Kopf.
Erzählen sie uns doch etwas.
Erzählen sie uns doch etwas.
Cydalise.
Cydalise.
Ich bitte um Vergebung, ich muß nach Hause, ich danke ihnen für die Ehre, die sie mir haben erzeigen wollen.
Ich bitte um Vergebung, ich muß nach Hause, ich danke ihnen für die Ehre, die sie mir haben erzeigen wollen.
Die Ehre war recht groß, recht groß.
Die Ehre war recht groß, recht groß.
Kommen sie, Erast.
Kommen sie, Erast.
Celimene.
Celimene.
O so verweilen sie doch nur noch ein wenig.
O so verweilen sie doch nur noch ein wenig.
Cydalise.
Cydalise.
Keinen Augenblick länger.
Keinen Augenblick länger.
Hören sie doch Erast, so kommen sie.
Hören sie doch, Erast so kommen sie.
Sind sie denn unbeweglich1 auf ihrem Sessel?
Sind sie denn auf ihrem Sessel angewachsen2?
Erast.
Erast.
Ich bitte, gnädige1 Fräulein, nur noch -.
Ich bitte, gnädiges1 Fräulein, nur noch -. ich bin außer mir2.
O ich bin außer mir.

[absent]
Celimene.
Celimene.
Nun, da Fräulein Cydalise denn gar nicht zu halten ist, warum bleiben sie denn sitzen, Erast?
Nun, da Fräulein Cydalise denn gar nicht zu halten ist, warum bleiben sie denn sitzen, Erast?
Nach Hause sollen sie ihre Geliebte begleiten.
Nach Hause sollen sie ihre Geliebte begleiten.
Erast.
Erast.
Auf ein Wort, gnädige Frau.
Auf ein Wort, gnädige Frau.
Celimene.
Celimene.
Was können sie mir zu sagen haben?
Was können sie mir zu sagen haben?
Cydalise.
Cydalise.
Ich frage sie Erast, ob sie gehen wollen oder nicht?
Ich frage sie, Erast, ob sie gehen wollen, oder nicht?
Der Kopf möchte mir zerspringen vor lauter Kopfweh1.
Der Kopf möchte mir zerspringen vor lauter Stechen1.
Erast.
Erast!
Erast.
Erast.
Ja, gnädige1 Fräulein. (steht auf, und setzt sich wieder nieder.)
Ja, gnädiges1 Fräulein. (steht auf, und setzt sich wieder nieder.)
Cydalise.
Cydalise.
Was pflanzen sie sich denn wieder hin?
Was pflanzen sie sich denn wieder hin?
Ob sie mit gehn?

[absent]

[absent]
Ob sie mitgehn?
Erast nach einigem Nachdenken1.
Erast, nach einigem Bedenken1.
Nein.
Nein.
Cydalise.
Cydalise.
Sie sind ein Dummkopf, ein Betrüger.
Sie sind ein Dummkopf, ein Betrüger.
Kommen sie Chlorinde. (ab.)
Kommen sie Chlorinde. (ab.)
Chlorinde.
Chlorinde.
Ich habe Ursache, mich für die Ehre zu bedanken, die sie mir in ihrem Hause erwiesen haben, Frau von Celimene.
Ich habe Ursache, mich für die Ehre zu bedanken, die sie mir in ihrem Hause erwiesen haben, Frau von Celimene.
Es regnet doch nicht etwan?
Es regnet doch nicht etwan?
Ich werde das Kapitel von den Coquetten zu Hause durchlesen. (ab.)
Ich werde das Kapitel von den Coquetten zu Hause durchlesen. (ab.)
Celimene.
Celimene.
Auch das von den Prüden, wenn ich bitten darf.
Auch das von den Prüden, wenn ich bitten darf.
Neunter Auftritt.
Neunter Auftritt.
Cydalise1, Erast, Damis.
Celimene1, Erast, Damis.
Celimene.
Celimene.
Wie gefiel ihnen dieser Auftritt, Herr Damis?
Wie gefiel ihnen dieser Auftritt, Herr Damis?
Damis.
Damis.
Unvergleichlich, ihr1 Gnaden.
Unvergleichlich, ihre1 Gnaden.
Erast, was Henker!
Erast, was Henker!
du siehst aus, als wenn du verrückt wärest?
du siehst aus, als wenn du verrückt wärest.
Du wirst den Teufel kriegen, wenn du zu Cydalisen kömmst.
Du wirst den Teufel kriegen, wenn du zu Cydalisen kömmst.
Schau doch, was wir für einen Wechsel getroffen haben; ich machte Anfangs meine Aufwartung der Cydalise, und du der gnädigen Frau da.
Schau doch, was wir für einen Wechsel getroffen haben; ich machte Anfangs meine Aufwartung der Cydalise, und du der gnädigen Frau da.
Itzt wird die1 Fräulein Cydalise deine Gemahlin2, und die gnädige Frau meine.
Itzt wird das1 Fräulein Cydalise deine Gemahlinn2, und die gnädige Frau meine.
Ich bin mit dem Tausch1 zufrieden.
Ich bin mit dem Tausche1 zufrieden.
Erast.
Erast.
Reißen sie mich aus meiner Unruhe, gnädige Frau!
Reißen sie mich aus meiner Unruhe, gnädige Frau!
ist es wahr, daß sie -.
ist es wahr, daß sie -.
Celimene.
Celimene.
Warum nicht, mein Herr?
Warum nicht, mein Herr?
Was zweifeln sie?
Was zweifeln sie?
Erast.
Erast.
Dem Damis wollen sie ihre Hand geben?
Dem Damis wollen sie ihre Hand geben?
Celimene.
Celimene.
Ja Erast, und ich hoffe glücklich mit ihm zu seyn.
Ja, Erast; und ich hoffe glücklich mit ihm zu seyn.
Lassen sie uns unsere Vermählung mit einander1 begehen, heyrathen2 sie ihre Cydalise.
Lassen sie uns unsere Vermählung miteinander1 begehen, heurathen2 sie ihre Cydalise.
Erast.
Erast.
Die Decke fällt mir von den Augen, sie sind meiner unwürdig.
Die Decke fällt mir von den Augen; sie sind meiner unwürdig.
Itzt erkenne ich es, und das muß mich trösten.
Itzt erkenne ich es, und das muß mich trösten.
Celimene.
Celimene.
Das wußte ich ja, nur Cydalise ist ihrer würdig.
Das wußte ich ja so1; nur Cydalise ist ihrer würdig.
Erast.
Erast.
Ihr Spott ist Gift.
Ihr Spott ist Gift.
Celimene.
Celimene.
Nein, mein lieber Erast, was hätten sie mit mir machen sollen?
Nein, mein lieber Erast, was hätten sie mit mir machen sollen?
ich schätze die traurige Vernunft, ich will in meinem Gemahle meinen besten Gesellschafter, meinen besten Freund sehn.
ich schätze die traurige Vernunft, ich will in meinem Gemahle meinen besten Gesellschafter, meinen besten Freund sehn.
Meine Reizungen fangen an zu verblühen.
Meine Reizungen fangen an zu verblühen.
Sie sind ein Mann, so wie sie alle sind, das heißt sinnlich.
Sie sind ein Mann, so wie sie alle sind, das heißt sinnlich.
Sie wollen das lieben, was in die Augen fällt; Cydalise hat würklich1 ein schönes Gesicht.
Sie wollen das lieben, was in die Augen fällt; Cydalise hat wirklich1 ein schönes Gesicht.
Geben sie Cydalisen ihre Hand.
Geben sie Cydalisen ihre Hand.
Wir würden nur alle beyde unglücklich mit einander1 gewesen seyn.
Wir würden nur alle beyde unglücklich miteinander1 gewesen seyn.
Erast.
Erast.
Gnädige Frau, sehn sie mich zu ihren Füßen, ich weiß es, daß sie mich einmal geliebt haben.
Gnädige Frau, sehn sie mich zu ihren Füßen; ich weiß es, daß sie mich einmal geliebt haben.
Sollte alle Zärtlichkeit gegen mich auf einmal aus ihrem göttlichen Herzen verschwunden seyn?
Sollte alle Zärtlichkeit gegen mich auf einmal aus ihrem göttlichen Herzen verschwunden seyn?
Vergeben sie mir mein Verbrechen, es war eine Verirrung meiner Vernunft.
Vergeben sie mir; mein Verbrechen, es war eine Verirrung meiner Vernunft.
Mein Oheim, den ich schonen muß, befahl mir bey dem Verluste seiner Gewogenheit, Cydalisen einige Besuche zu machen.
Mein Oheim, den ich schonen muß, befahl mir bey dem Verluste seiner Gewogenheit, Cydalisen einige Besuche zu machen.
Ich wäre der unglückseligste Mann mit Cydalisen geworden.
Ich wäre der unglückseligste Mann mit Cydalisen geworden.
O gnädige Frau -.
O gnädige Frau -.
Celimene.
Celimene.
Stehn sie auf Erast, ich mag sie nicht in dieser Stellung sehn.
Stehn sie auf, Erast, ich mag sie nicht in dieser Stellung sehn.
Erast.
Erast.
Nicht eher, nicht eher gnädige Frau, als bis ich Vergebung von ihnen erhalten habe, bis sie mir versprechen, daß sie meine Gemahlin1 werden wollen.
Nicht eher, nicht eher, gnädige Frau, als bis ich Vergebung von ihnen erhalten habe, bis sie mir versprechen, daß sie meine Gemahlinn1 werden wollen.
Celimene.
Celimene.
Stehn sie auf Erast, ich fühle daß ich sie noch liebe, und daß sie meiner Liebe nicht ganz unwürdig sind.
Stehn sie auf, Erast, ich fühle, daß ich sie noch liebe, und daß sie meiner Liebe nicht ganz unwürdig sind.
Sie sind sonst so ein edelmüthiger Mann, kann denn keine einzige Mannsperson zu allen Zeiten edelmüthig handeln?
Sie sind sonst so ein edelmüthiger Mann, kann denn keine einzige Mannsperson zu allen Zeiten edelmüthig handeln?
Hier haben sie meine Hand, und wenn sie nicht glücklich mit mir sind, so ist es der Fehler ihres Herzens.
Hier haben sie meine Hand, und wenn sie nicht glücklich mit mir sind, so ist es der Fehler ihres Herzens.
Erast.
Erast.
O gnädige Frau, wie sehr entzücken sie mich!
O gnädige Frau, wie sehr entzücken sie mich!
Gott, in was für einem Irthume1 war ich!
Gott, in was für einem Irrthume1 war ich!
Eine elende affectirte Närrin1!
Eine elende affectirte Närrinn, Cydalise1 -.
Cydalise1 - O ich sterbe vor Scham.
O ich sterbe vor Scham.
Damis.
Damis.
So tauschen wir schon wieder?
So tauschen wir schon wieder?
Gnädige Frau, ich sehe, man darf auf ihr Wort auch keinen Staat machen.
Gnädige Frau, ich sehe, man darf auf ihr Wort auch keinen Staat machen.
Celimene.
Celimene.
So wie auf ihre Liebe.
So wie auf ihre Liebe.
Lernen sie hier mein Herr, was wahre Zärtlichkeit ist, die sie und so viele1 Tausend nicht kennen.
Lernen sie hier, mein Herr, was wahre Zärtlichkeit ist, die sie und so viel1 Tausend nicht kennen.
Ihre Gemüthsart, ihre Grundsätze verdienen kein Frauenzimmer von Ehre.
Ihre Gemüthsart, ihre Grundsätze verdienen kein Frauenzimmer von Ehre.
Gehn sie nach Paris, und halten sie sich an Princeßinen1 aus der Oper.
Gehn sie nach Paris, und halten sie sich an Prinzeßinnen1 aus der Oper.
Da werden sie mit ihren Grundsätzen am besten fortkommen.
Da werden sie mit ihren Grundsätzen am besten fortkommen.
Verstehn sie mich?
Verstehn sie mich?
Ende des Lustspiels1.
ENDE.
@end
@end

Q: LERA output cf. Pöckelmann et al. (2022)

4.5 varianzen

Auf dieser Grundlage bieten sich weitere Analysen an, die den Rahmen dieser Arbeit jedoch übersteigen. (m) Erste Vergleiche beider Editionen lassen vermuten, dasz die Varianzen in Stil und Orthographie auf Klemm selbst zurückgehen, da wir hier davon ausgehen, dasz er als Herausgeber der Wochenblätter, in denen die erste und zweite Ausgabe erschienen, weitgehend eigenverantwortlich editorisch tätig war. Die im folgenden genannten Varianzen lieszen sich mithilfe des oben verwendeten tools LERA als deutlich unterschieden unterhalb der Editionen erkennen. Welche Gründe Klemm hier zur Neuschreibung bewegten, liesz sich im Rahmen der Arbeit nicht mehr eruieren; die folgende Graphik veranschaulicht eventuelle Zusammenhänge, die sich mir jedoch nicht erschlieszen.

Varianzen:

  1. Heirat:
    1. Heyrath (Grimm and Grimm 1871a)
    2. Heurath: “die nebenform der (und die) heurath, seit dem 16. jahrh. belegbar, deutet auf ein mhd. bis jetzt nicht nachgewiesenes hiurât, das den labial des ersten compositionsgliedes, der in ags. hîv-ræden noch erhalten war, vocalisiert zeigte. diese form ist besonders im 17. und 18. jahrh. im schwange, einer etymologischen grille zu liebe, der zufolge man das wort mit heuren, miethen, kaufen (s. d.) zusammenbrachte: der heürat, das mannen.” (ebd.)
  2. Mann:
    1. Mannsbilder: “noch im vorigen jahrh. und bis in dieses hinein in achtungsvoller rede […] während es in der neuern sprache nur mit verächtlichem beitone gebraucht wird.” (Grimm and Grimm 1871b)
    2. Mannspersonen (Grimm and Grimm 1871c)

Q: Zahlen cf. (DTA and DWDS 2022)


B. REF:

Çakir, Dîlan Canan, and Frank Fischer. 2022. “Dramatische Metadaten - Die Datenbank Deutschsprachiger Einakter 1740–1850.” Potsdam. https://doi.org/10.5281/zenodo.6327977.
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  1. dieser Aufwand wäre um einiges geringer ausgefallen, wenn ich mich, statt mit dem Text im Format .txt (plaintext) zu arbeiten, mit der bereits basis-HTML formatierten (durch Fett/Kursivdruck zb. unterschiedene Passagen für Sprecher, Regieanweisungen und Szenenwechsel) bedient hätte.↩︎